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Hans Görtz
Diekholzen
Da man ja ungerne die Katze im Sack kaufen möchte, stelle ich Ihnen hier ein paar Auszüge aus meinem Buch zur
Verfügung:
“Meine Großeltern mütterlicherseits waren Kleinbauern – in den kirchlichen Unterlagen der damaligen Zeit als Häusler,
Stellenbesitzer in Daupe bezeichnet -. Daupe liegt östlich von Breslau, etwa 25 km von der Stadtmitte entfernt. Meinen
Großvater Johann, Gottlieb Eckert habe ich nicht mehr kennen gelernt, denn er starb schon im Alter von 50 Jahren im Jahre
1902. Dagegen habe ich meine Oma, die immerhin 82 Jahre alt wurde, noch besuchen können, denn sie war vier Jahre jünger
als mein Opa und starb 1938 auf ihrem kleinen Bauernhof in Daupe.
Es ist ja nun viele Jahrzehnte her, nach meinen Erinnerungen war Oma Eckert eine kleine, recht gebeugt gehende, grauhaarige
Frau, gezeichnet von harter Arbeit. Sie bewirtschaftete den Hof ganz allein. Im Stall standen drei Kühe und zwei Schweine,
ansonsten noch einiges Federvieh, denn sie war ja Vollselbstversorger. Am besten in Erinnerung ist bei mir geblieben, ein ganz
bescheidenes Wohnhaus, besser ausgedrückt, eine Kate. Das Wohnzimmer klein, Decke niedrig, kleine Fenster und was ich nie
vergessen werde, voll mit Fliegen. Der Klebefänger über dem Tisch ebenfalls voll mit hunderten von fetten Fliegen. Selbst wenn
die eine oder andere Fliege noch gern an den Klebefänger wollte, keine Chance. Verständlich das mein Aufenthalt nicht lange
dauerte. Ich war ja mit dem Fahrrad unterwegs und sollte von Oma ein kräftiges Stück selbst hergestellte Butter mitbringen. Da
es sehr warm war, holte meine Oma ein paar große Rhabarberblätter aus dem Garten und wickelte darin die Butter ein. Ohne
zögern nahm ich das zusätzlich verschnürte Bündel und verfrachtete es in meine Hosentasche. Der Fahrwind auf dem
Nachhauseweg war wohl doch nicht so kühl und auch die Kühlung durch die Rhabarberblätter wirkte nicht so toll, so dass die
Butter langsam aber sicher eine cremige Konsistenz annahm und im Volumen immer kleiner wurde. Die Blätter hielten auch nicht
dicht und es kam wie es kommen musste, die flüssige Butter lief vom Oberschenkel über die Wade bis in den Schuh. Es
versteht sich von selbst, dass meine Mutter nicht nur um den Buttergenuss gekommen war, sondern noch zusätzlich die
Klamotten entsorgen musste.”