© hansgoertz 2011 Hans Görtz Diekholzen Eines Morgens überraschte er seine Mutti mit der Bitte, sie möge doch umgehend das Fernsehen anstellen. Es wäre jetzt an der Zeit die neuesten Nachrichten zu hören. Seiner Mutti fuhr ein gehöriger Schreck durch die Glieder. Das konnte doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Baby - Fernsehen - Nachrichten? Das kann ja noch lustig werden. Das Zögern passte Wolfgang überhaupt nicht und lautstark forderte er seine Mutti abermals auf, das Fernsehen endlich anzustellen. "Die Nachrichten laufen doch schon". Und so war es dann auch. Die Unglücksnachrichten, mit denen die meisten aktuellen Sendungen beginnen, waren vorbei und es folgte ein Bericht vom Deutschen Bundestag. Der Finanzminister erläuterte gerade seinen Haushaltsentwurf. Mit ernster Mine musste er eingestehen, dass  durch die weltweite Finanzkrise alle gut gemeinten Prognosen über den Haufen geworfen sind. Statt reduzierter Neuverschuldung muss er nun genau von der gegensätzlichen Entwicklung des Staatshaushaltes berichten. Nicht weniger Schulden, sondern eine unglaubliche Aufblähung der Kreditaufnahme ist von Nöten, um den weltweiten Gau der Bankenwelt zu vermeiden. Die geplante Reduzierung der Pro-Kopf-Verschuldung von ca. 21000 € ist vorerst nicht zu erreichen. Sie dürfte in der Zukunft noch erheblich ansteigen. Klein-Wolfgang verfolgte gespannt den Ausführungen. "Mammi, Mammi stimmt denn das mit Schulden? Das kann ich einfach nicht glauben. Du hast mich unter qualvollen Schmerzen geboren, ich liege hier im Bettchen, tue nichts Böses und trotzdem habe ich einen Berg von Schulden. Ich dachte, ihr habt euch auf mein Kommen gefreut und in Wirklichkeit seid ihr über beide Ohren verschuldet. Also ich für meinen Teil kann mir nicht vorstellen, ein fröhlicher Mensch zu werden. Habt ihr so viel angespart damit ihr mich freikauft, oder müsst ihr einen Bankkredit aufnehmen". Sprach es und fing ganz fürchterlich zu weinen an. Nichts konnte zur Beruhigung beitragen. Mammi vermutete zuerst ein kleines Unwohlsein, so ein Bauchkneifen, wie das bei Kleinkindern durchaus üblich ist.