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Hans Görtz
Diekholzen
Eines Morgens überraschte er seine Mutti mit der Bitte, sie möge doch umgehend das Fernsehen anstellen. Es wäre jetzt an der
Zeit die neuesten Nachrichten zu hören. Seiner Mutti fuhr ein gehöriger Schreck durch die Glieder. Das konnte doch nicht mit
rechten Dingen zugehen. Baby - Fernsehen - Nachrichten? Das kann ja noch lustig werden. Das Zögern passte Wolfgang
überhaupt nicht und lautstark forderte er seine Mutti abermals auf, das Fernsehen endlich anzustellen. "Die Nachrichten laufen
doch schon". Und so war es dann auch. Die Unglücksnachrichten, mit denen die meisten aktuellen Sendungen beginnen, waren
vorbei und es folgte ein Bericht vom Deutschen Bundestag. Der Finanzminister erläuterte gerade seinen Haushaltsentwurf. Mit
ernster Mine musste er eingestehen, dass durch die weltweite Finanzkrise alle gut gemeinten Prognosen über den Haufen
geworfen sind. Statt reduzierter Neuverschuldung muss er nun genau von der gegensätzlichen Entwicklung des
Staatshaushaltes berichten. Nicht weniger Schulden, sondern eine unglaubliche Aufblähung der Kreditaufnahme ist von Nöten,
um den weltweiten Gau der Bankenwelt zu vermeiden. Die geplante Reduzierung der Pro-Kopf-Verschuldung von ca. 21000 €
ist vorerst nicht zu erreichen. Sie dürfte in der Zukunft noch erheblich ansteigen.
Klein-Wolfgang verfolgte gespannt den Ausführungen. "Mammi, Mammi stimmt denn das mit Schulden? Das kann ich einfach
nicht glauben. Du hast mich unter qualvollen Schmerzen geboren, ich liege hier im Bettchen, tue nichts Böses und trotzdem
habe ich einen Berg von Schulden. Ich dachte, ihr habt euch auf mein Kommen gefreut und in Wirklichkeit seid ihr über beide
Ohren verschuldet. Also ich für meinen Teil kann mir nicht vorstellen, ein fröhlicher Mensch zu werden. Habt ihr so viel angespart
damit ihr mich freikauft, oder müsst ihr einen Bankkredit aufnehmen". Sprach es und fing ganz fürchterlich zu weinen an. Nichts
konnte zur Beruhigung beitragen. Mammi vermutete zuerst ein kleines Unwohlsein, so ein Bauchkneifen, wie das bei
Kleinkindern durchaus üblich ist.